Das Toggenburg, eingebettet zwischen dem Säntis und den Churfirsten, bietet ein ganz eigenes Solarpotenzial. Höhere Lagen bedeuten stärkere Einstrahlung, Schneereflektion steigert die Erträge – aber auch die Planung braucht besonderes Augenmass. Ein Ratgeber für Landwirte, Gewerbebetriebe und Hauseigentümer im Toggenburg.
Solarpotenzial im Berggebiet
Das Toggenburg erstreckt sich von Wil im Westen bis nach Wildhaus im Osten und umfasst verschiedene Höhenstufen von 600 bis über 2'000 Meter über Meer. Diese topografische Vielfalt bietet unterschiedliche Bedingungen für Solaranlagen.
In den höheren Lagen, etwa in Wildhaus, Unterwasser oder auf dem Schwägalp-Gebiet, profitieren Solarmodule von der intensiveren UV-Strahlung und der dünneren Atmosphäre. Die solare Einstrahlung pro Quadratmeter nimmt mit der Höhe zu – pro 1'000 Höhenmeter um etwa 10 bis 15 %. Gleichzeitig sind die Temperaturen kühler, was die Effizienz der Module verbessert.
Die Schneereflektion (Albedo-Effekt) ist im Toggenburg besonders ausgeprägt. Schneeflächen reflektieren bis zu 90 % des einfallenden Lichts, was die Einstrahlung auf geneigte Module zusätzlich erhöht. Module mit einer Neigung von 30 bis 45 Grad profitieren besonders stark von diesem Effekt und haben zudem den Vorteil, dass der Schnee schneller abrutscht.
In Höhenlagen des Toggenburgs profitieren Solarmodule von stärkerer Einstrahlung, kühlen Temperaturen und dem Schnee-Albedo-Effekt – ideale Bedingungen für hohe Winterstromerträge.
Landwirtschaftliche Gebäude: Riesiges Potenzial
Die Landwirtschaft prägt das Toggenburg wie kaum eine andere Region im Kanton St. Gallen. Die grossen Scheunendächer der Toggenburger Höfe bieten enormes Potenzial für Solaranlagen. Viele dieser Dächer haben eine ideale Süd-Ausrichtung und eine optimale Neigung.
Für Landwirte im Toggenburg ist eine Solaranlage besonders attraktiv: Die grossen Dachflächen ermöglichen Anlagen von 30 bis 100 kWp oder mehr. Der Eigenverbrauch durch Melkanlagen, Kühlung, Futtermischmaschinen und Heizungen ist hoch. Die Investition diversifiziert das landwirtschaftliche Einkommen und macht den Betrieb unabhängiger von Strompreisschwankungen.
Seit der Vereinfachung der Bewilligungsverfahren sind Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Gebäuden ausserhalb von Schutzzonen nur noch meldepflichtig. Dies hat den Solarausbau in der Toggenburger Landwirtschaft deutlich beschleunigt.
Planung im Berggebiet: Worauf achten?
Schneelast: Im Toggenburg fällt deutlich mehr Schnee als in den Tallagen. Die Unterkonstruktion der Solaranlage muss für die lokale Schneelast dimensioniert sein. In Höhenlagen über 1'000 Meter können Schneelasten von 3 bis 5 kN/m² auftreten. Ein erfahrener Statiker berechnet die nötige Belastbarkeit.
Schneeabrutsch: Module mit ausreichender Neigung (mindestens 25 Grad) sorgen dafür, dass Schnee abgleiten kann. Schneefanggitter vor den Modulen können das Abrutschen grösserer Schneemassen auf darunter liegende Bereiche verhindern.
Blitzschutz: In exponierten Höhenlagen ist ein funktionierender Blitzschutz besonders wichtig. Die PV-Anlage muss in das bestehende Blitzschutzkonzept integriert werden.
Netzanschluss: In abgelegenen Gebieten kann der Netzanschluss schwächer dimensioniert sein. Eine frühzeitige Abklärung mit der SAK oder dem lokalen EVU ist empfehlenswert, um sicherzustellen, dass die geplante Einspeisung möglich ist.
Winterstrom-Bonus: Der neue Winterstrom-Bonus des Bundes belohnt Anlagen mit hohem Winterstromanteil. Im Toggenburg können steil geneigte Dachanlagen und Fassadenanlagen besonders vom Winterstrom-Bonus profitieren.
Beispielprojekte aus dem Toggenburg
In Nesslau hat ein Landwirtschaftsbetrieb seine 800 m² grosse Scheune mit einer 100-kWp-Anlage bestückt. Die Anlage produziert rund 110'000 kWh pro Jahr, wovon etwa 40 % selbst verbraucht werden. Die Investition von rund CHF 120'000 amortisiert sich dank EIV, kantonaler Förderung und Steuerabzug in weniger als 10 Jahren.
In Wattwil hat eine Genossenschaft ein ZEV-Modell für eine Überbauung mit 12 Wohneinheiten realisiert. Die 45-kWp-Anlage auf dem Flachdach versorgt alle Wohnungen mit Solarstrom. Der Eigenverbrauchsanteil liegt bei 65 %, und die Bewohner profitieren von tieferen Stromkosten.
In Ebnat-Kappel hat ein Gewerbebetrieb eine innovative Kombination aus Dach- und Fassadenanlage installiert. Die vertikale Fassadenanlage produziert besonders viel Winterstrom und qualifiziert sich für den Winterstrom-Bonus des Bundes.
Fazit: Das Toggenburg nutzt die Sonne
Das Toggenburg bietet mit seinen grossen landwirtschaftlichen Dachflächen, der starken Einstrahlung in Höhenlagen und dem Schnee-Albedo-Effekt hervorragende Bedingungen für Solaranlagen. Die Herausforderungen – Schneelast, Netzanschluss, Planung – sind lösbar, wenn man auf erfahrene Fachleute setzt. Berechnen Sie jetzt Ihr Toggenburger Solarpotenzial.